Harzer Urwald

Bäume, die sich an steilen Felswänden festkrallen, knorrige Wurzeln, die an verzauberte Wesen erinnern, und kleine Bäche, die sich ihren Weg durch die urwüchsige Vegetation des Sagenharzes bahnen. An vielen Stellen erinnert der Bodetaler Sagenharz an eine mystische Märchenwelt.

Aufgrund seiner natürlichen Schönheit, der artenreichen Flora und Fauna, sowie der einzigartigen Geologie wurde das Bodetal bereits am 5. März 1937 zwischen Thale und Treseburg zum Naturschutzgebiet erklärt und später erweitert. Mit aktuell 473,78 Hektar Größe gehört es zu den größten Naturschutzgebieten in Sachsen-Anhalt.

Baumpilz an der Prinzensicht (Foto: Mathias Beck)

Flora

Durch die Nachbarschaft unterschiedlichster Kleinklimate und Höhenzonen hat sich beiderseits der Bode ein Sammelbecken seltener Pflanzen und Tiere herausgebildet. Die dunklen Seitenschluchten wie der Hirsch- oder Taschengrund sind wahre Paradiese für Schattenpflanzen aller Art, wie Wurmfarn, Hirschzunge oder Silberblatt. Neben der Alpenaster, einem Relikt aus der Eiszeit, sind im Bodetal auch Pfingstnelke, Türkenbundlilie, Waldhyazinthe, Seidelbast und Orchideen zu finden.

Nichtblütenpflanzen, wie Farne, Moose und Bärenlappe besiedeln die Felsspalten. Im Geröll, in dem kargen Felsen, an Baumstämmen oder auf dem Waldboden können Sie eine Vielzahl von Flechten entdecken. Um die 500 Arten sind aus der Region bekannt. Neben verschiedenen Laubbaumarten fällt besonders die immergrüne Eibe auf. Der Eibenbestand des Bodetals zählt zu den umfangreichsten Norddeutschlands.

Feuersalamander im Bodetal (Foto: Rosi Radecke)

Fauna

In den schroffen Felsenschluchten brütet der Wanderfalke. Dieser Vogel gehört neben dem Mäusebussard, Rotmilan und Wespenbussard zu den beeindruckendsten Greifvögeln des Bodetals. Man findet hier auch verschiedene Spechtarten, wie den Schwarz-, Bunt- und Mittelspecht.

Viele Höhlen werden auch von anderen Vögeln bewohnt, z. B. von Hohltaube, Waldkauz, Meisenarten und Fliegenschnäpper. Die Wasseramsel und Gebirgsstelze brüten in Felsennischen. Neben heimischen Rot-, Reh- und Schwarzwild breitet sich seit 25 Jahren das Mufflon im Bodetal aus. Das Bodetal ist auch ein Refugium für die Wildkatze und den Waschbär.

Sagenhafte Mythenwelt

Das Bodetal ist jedoch nicht nur Heimat seltener Pflanzen und Tiere – auch Hexen, Teufel und andere mystische Wesen können Sie hier antreffen. Mit der Rosstrappe und dem Hexentanzplatz befinden sich am Ausgang des Felsentals zwei geschichtsträchtige Hochplateaus, die einen sagenhaften Blick in das Tal, ins Harzvorland und auf die Stadt Thale bieten. Die beiden beliebten Ausflugsziele gelten als altgermanische Kultorte und sind Schauplatz zahlreicher Mythen und Sagen.