Buchpräsentation im Kloster Wendhusen am 17.November, 14.00 Uhr

Das Stift im Mittelalter und die Zeit der adligen Rittergüter

Mit einer Präsentation des III. Bandes zur Geschichte des Klosters Wendhusen in Thale konnte der Autor Heinz A. Behrens vor mehr als 60 Interessierten im romanischen Turmsaal eine Einführung zu Schwerpunktthemen und der Geschichtsaufarbeitung dieser in historischer Zeit bedeutenden Institution geben.

Die Gesamtdarstellung ist auf drei Bände angelegt und hat mit dem nunmehr III. Band ihren vorläufigen Abschluss gefunden. Dabei betonte der Autor, dass die Forschung naturgemäß nie enden wird, aber jetzt eine publizistische Grundlage vorliegt, die von verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen genutzt werden kann. Der zeitliche Rahmen in diesem letzten Band spannt sich über etwa 1 000 Jahre und umfasst die Entwicklung des Kanonissenstiftes vom Zeitalter der Ottonen bis zu dessen Auflösung im 16. Jahrhundert. Die nachfolgende Profanisierung zu einem adligen Rittergut in der bewegten Zeit der Nachreformation und territorialen Neubildungen ist anhand archivalischer Quellen erstmals umfassend dargelegt. Der Autor zitierte personengeschichtliche Zusammenhänge aus einem Nekrologium (Totenbuch) des 11. Jahrhunderts, in dessen Auswertung sogar eine Wendhusener Äbtissin aus königlich englischem Haus namhaft gemacht werden kann. Etwa 70 Urkunden wurden ausgewertet, so dass nunmehr auch der einst umfangreiche Grundbesitz des Stiftes erfasst wurde, der ursprünglich bis weit nach Niedersachsen hinein reichte. Aus den Quellen lassen sich Einblicke in das innere Zusammenleben der Kanonissen gewinnen, wie aus einem Visitationsbericht von 1232 deutlich wird, den Behrens wörtlich zitierte. Das Stift erlebte im Spätmittelalter zahlreiche Brüche und Veränderungen. So ist mehrfach ein Wechsel der Kirchenpatrone im Zusammenhang mit Reformbestrebungen nachweisbar, die letztlich sogar zur Annahme der Augustinerregel im frühen 12. Jahrhundert führten. Eine Listung sämtlicher durch überlieferte Personen besetzter Ämter des Stiftes vom 9. - 16. Jahrhundert schließt die Betrachtung zur mittelalterlichen Geschichte ab und gestattet eine Nachschlagbarkeit.

Der Übergang zum Rittergut mit den ersten adligen Lehnsinhabern Weddelsdorf und Watzdorf sowie die durch die Grafen von Regenstein errungene Lehnsherrschaft über das Klostergut offenbart eine konfliktreiche Zeit für Thale. Dabei musste sogar eine militärische Besetzung durch den Quedlinburger Amtmann für das albertinische Herzogtum Sachsen abgewendet werden. Schließlich konnten sich die von Steuben auf dem Klostergut etablieren und hier einen neuen Familiensitz errichten. In diesem Zusammenhang verwies Behrens auf die außerordentlich kunstvollen Epitaphien in der Thalenser St. Andreaskirche, die beredtes Zeugnis für das Wirken dieser Familie sind. Auch die bislang völlig unterrepräsentierten Herren von Thal werden in

diesem III. Band mit betrachtet. Hatten sie doch eine bedeutende Burg

gegenüber dem Kloster und übten hier als Regensteiner Lehnsträger

jahrhundertelang eine Herrschaft aus. Die Spuren dieser Familie sind überall im mitteldeutschen Raum zu finden. Die letzten Angehörigen der Ritter von Thal waren nacheinander mit einer Margarethe Knigge verheiratet. Durch diese Verwandtschaft erwerben die Knigges die ehemalige Herrschaft derer von Thal und hinterlassen hier - in etwa 120 Jahren - erhebliche Kulturgeschichtliche Spuren. Ein während ihrer Gutsherrschaft gestalteter, aufwändiger barocker Lustgarten und schlossähnliche Bauten sind nach den archivalischen Quellen nachweisbar. Besonders engagiert für das Thalenser Gut war der europaweit agierende und erfolgreiche Generalfeldmarschall

Jobst Hilmar von Knigge. Nach den Knigges erwarben 1755 die von dem Bussche das ehemalige Gut derer von Thal und im Jahr 1800 dann auch das ehemalige Klostergut. Beide Güter - Rittergut I und Rittergut II - bestanden als solche bis zum Jahr 1945. Die Bussches waren vermögende Domherren und hinterließen ebenfalls bedeutende bauliche Spuren, die heute noch sichtbar sind. In diesem Zusammenhang verwies Behrens auf das im Gutspark befindliche Denkmal für den englischen Arzt Edward Jenner, dem Entdecker des Pockenserums. Auch für die Abfolge der einzelnen Gutsbesitzer hat Behrens im Buch eine chronologische Listung beigefügt.

Insgesamt zeigen die Recherchen zur Geschichte des Klosters Wendhusen, dass hier eine überregionale Bedeutung vorliegt, die für die Frühzeit sogar eine westeuropäische Komponente aufzeigen. Die drei Bände zum Kloster Wendhusen sollen das öffentliche Bewusstsein zur Orts- und Regionalgeschichte ausgewogen herstellen und die bis in die jüngste Vergangenheit hinein unterschätzte Bedeutung dieser facettenreichen Institution würdigen.