Aufnahme in die Straße der Romanik - Kloster Wendhusen

Mit der Aufnahme des Klosterkomplexes „Wendhusen“ in Thale in die touristisch bedeutende „Straße der Romanik“ wird der Bedeutung der überlieferten Bauten dieser Stilepoche in Wendhusen entsprochen.

Nach Abschluss von umfangreichen Forschungen können nunmehr sehr konkrete Aussagen zur Geschichte und Baugeschichte dieses bedeutenden Denkmals der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Mit dem monumentalen, hochromanischen Westbau der Stiftskirche wird nicht nur dessen bauliche Gestalt mit einer ausgewogenen Architektur aus der Zeit von etwa 1160 (dendro) mit ihren frühen Kreuzgewölben und eleganten Kämpferplatten sichtbar, sondern hier wird auch die spezielle Nutzung durch eine religiöse Frauengemeinschaft auf fünf Geschossebenen (Liturgie, Scriptorium) erkennbar. Der Westbau ist im 16.Jahrhundert nur geringfügig verändert worden, so dass er zu 90% aus der Mitte des 12. Jahrhunderts bis zu einer Höhe von 16 m erhalten ist. Alle Ebenen sind begehbar. In für Sachsen-Anhalt einmaliger Erhaltung lässt sich hier die bis zum Hochmittelalter noch gültige Geschlechterteilung selbst bei einer Kirchenarchitektur nachvollziehen. Der Westbau gilt als hochinnovativ und für seine Zeit modern mit seiner klaren Gestalt und symbolhaften Abwehrhaltung vor der Damenstiftskirche.

Neben der Hochromanik ist in Wendhusen eine erhebliche Umbauphase aus der Zeit der Frühromanik (um 1 000) im Bereich der Damenstiftsempore erhalten. Hier besticht insbesondere eine komplett erhaltene Sandsteinsäule mit seltenem Pilzkapitell in originaler Position. Erstmals ist es in Wendhusen gelungen diese „Kunstform“ exakt durch Dendrochronologie europaweit zu datieren.

Eine dritte noch ältere erhaltene Bauphase innerhalb der Stiftskirche gehört in die vorromanische Zeit. Sie führt mit ihrem nachgewiesenen Baudatum von 825 in die Zeit der Karolinger zurück. Erhalten ist ein Torso der Damenstiftsempore bis zu einer Höhe von etwa 6 m. Damit ist diese Empore die älteste noch erhaltene weltweit. Einmalig in Sachsen-Anhalt ist die Erhaltung und Besichtigungsmöglichkeit von Bauten, die von der Vorromanik bis zur Hochromanik datieren.

Alle Bereiche können besichtigt werden, eine umfangreiche, begleitende und ständige Ausstellung informiert auf mehr als 80 Tafeln und anhand vieler Modelle über die Geschichte der Stifterfamilie, die Geschichte des Stiftes bis etwa 1520, die Baugeschichte und die Zeit des adligen Rittergutes Wendhusen/Thale bis 1945. Besucher können den rekonstruierten Kanonissengarten mit knapp 6 000 qm genießen und hier Pflanzen- und Baumarten nach der Pflanzenliste der Landgüterverordnung Karls des Großen in Kombination mit einem Archäologiepark mit weiteren Bauresten aus der Klosterzeit betrachten.

Das Kloster Wendhusen ist mittwochs - sonntags von 14.00 - 17.00 Uhr geöffnet, sachkundige Führungen können jederzeit, auch außerhalb der Öffnungszeit vereinbart werden. Ein Museumskaffee öffnet zu den angegebenen Zeiten.

Kontakt: klosterwendhusen@aol.de Tel.: 03947/778563 oder 63669.

Autor: Heinz A. Behrens