Die Geschichte des Klubhauses

Bereits um 1890 gab es erste Bemühungen der Gemeinde- und Kurverwaltung in der Stadt Thale ein Kurhaus zu errichten. Zunächst war der Bau in der Hubertusstraße geplant, an der Stelle, an der die Petri-Kirche steht. Da der Bahnhofspark aber der Bahnverwaltung gehörte und diese nicht verkaufen wollte, war das Projekt damit gestorben.

1900 beschloss die Gemeinde-Vertretung zur Errichtung eines Hotels auf dem Lindenberg (Tannenkopf) in Verhandlung mit Baron von dem Bussche Streithort zu treten. Dieser lehnte ab, da er seine angrenzende Waldung gefährdet sah.
Im November 1905 beschließt die Gemeinde-Vertreung das Kurhaus nicht auf dem Lindenberge sondern »unter den Birken« zu errichten, da die Lage für das Wintergeschäft bedeuet günstiger ist. Den Entwurf für das Projekt erarbeitete der Architekt Wellmann und kalkulierte für den Bau Gesamtkosten von 48.000 Mark. Die Maurerarbeiten übernahm aufgrund des niedrigsten Angebotes die Firma Morgenstern aus Blankenburg für 9907,35 Mark, die Zimmerarbeiten führte die Firma Beck & Lamprecht (ebenfalls aus Blankenburg) für 5863,67 Mark durch. Die Gesellschaft für Steinfabrikation und Bergbaubetrieb Thale lieferte die Steine für 24,50 Mark pro 1.000 Stück.

Am 8. Dezember 1906 besagt das Protokoll der Gemeinde-Vertretung unter Punkt 3 unter Ausschluss der Öffentlichkeit: »Nachdem das Kurhaus nunmehr ziemlich fertig gestellt ist und wahrscheinlich Mitte Januar eröffnet werden kann, steht die Gemeinde-Vertretung heute vor der Notwendigkeit, die Bewirtschaftung des Etablissements einem geeigneten Pächter zu übertragen und die Pachtbedingungen festzusetzen...«.

Die Kurhaus-Kommission erachtete in erster Linie den Dirktor M. Lutterkorth aus Schierke als geeignet, zumal er mit 6.500 Mark Pacht pro Jahr, das Höchstgebot abgeben hatte. Da das Kurhaus zu Beginn der Pachtzeit nicht fertig gestellt war, wurde dem Pächter Lutterkorth als Entschädigung ein Verdienstausfall in Höhe von 2.400 Mark zugesprochen. Die Summe wurde aber nicht ausgezahlt, sondern mit der nächsten Pacht verrrechnet.

Am Samstag, den 4. Mai 1907 fand um 17:00 Uhr eine Sitzung der Gemeinde- und Kurverwaltung im Kurhaus statt. Im Anschluss wurde ein Zinnkasten in das Fundament eingelassen, der eine 5-seitige Urkunde mit Angaben zur Gemeinde Thale enthielt. Die Eröffnungs des Kurhauses erfolgte am 5. Mai 1907 um 20:00 Uhr mit einem Konzert der Kurkapelle.

Im März 1908 legte Architekt Wellmann die Endabrechung des Kurhausbaues vor, die einen Gesamtkostenaufwand (inklusive Kurpakt und Inventar) von 162.107,51 Mark ausmachte. Die endgültige Abrechnung vom 12.02.1911 betrug jedoch bereits 199.082,60 Reichsmark.

Zum 1. April 1908 kündigte der Kurhauspächter Lutterkorth, als Grund gab er den schlechten Geschäftsgang an. Es folgten die Kurhauspächter: Oberkellner Alfred Reinbothe aus Magdeburg (Dezember 1907), Heinrich Germershausen ebenfalls aus Magdeburg (Mai 1909) und 1912 Otto Berckling.

Kurhaus Thale (1907)
Klubhaus der Hüttenarbeiter
Klubhaus-Ruine nach Brand

Mit dem Beginn des 1. Weltkrieges wurde das Kurhaus geschlossen und man gestattete dem ehemaligen Pächter Berckling für 300 Mark Jahresmiete die Wohung weiter zu nutzen. Ab 1917 wohnte der Polizeikommissar Kaßner zum gleichen Mietpreis in der Wohnung des Kurhauses. Bereits seit 1916 wurde der Saal als Turnhalle genutzt. Ab 1919 wird über den Verkauf des Klubhauses zum Preis von 150.000 Mark beraten, der Verkauf wird jedoch von der Gemeindevertretung abgelehnt und die Nutzung als Turnhalle, Lesezimmer und Jugendpflegeräume in Aussicht gestellt.

1920 war das Kurhaus für den Schankbetrieb immer noch geschlossen und wurde vom Kastellan Hermann Felsch verwaltet, der 1931 zum neuen Pächter wurde. 1934 übernahm der Kellner Otto Goerecke die Pachtschaft des damals als »Kurhaus im Steinbachtal« genannten Kurhauses. 1937 wurde Paul Beck (Besitzer des wilden Jäger) Pächter des »Restaurant Steinbachtal« genannten Kurhauses. 1940 hieß dann das Kurhaus »Stadtgarten« und Hermann Uhde wurde der Pächter.

Nach 1945 wurde das Eisenhüttenwerk Besitzer und das Kurhaus wandelte sich zum »Klubhaus der Hüttenarbeiter«. Im großen Saal fanden vielfältige Veranstaltungen statt und Arbeitsgemeinschaften und Volkskunstgruppen hatten eine Heimstätte. Aus einem Zirkel für bildene Künste ging beispielsweise Prof. Willi Neubert hervor. Schon damals galt das Klubhaus als beliebtes Tagungs- und Kongresscenter, sowie für Feierlichkeiten aller Art. Insgesamt fanden im Klubhaus 10.400 Veranstaltungen mit 5 Millionen Besuchern statt.

Ab 1990 ging das Klubhaus wieder in den Besitz der Stadt Thale über und die Nutzung wurde schlagartig geringer. Nach einem Brand in der Nacht vom 26. zum 27. November 1993 blieb das Klubhaus unbenutzt. Am 31. Januar 1995 brannte es erneut. Hierbei wurden das Dach des Saals und die Bühne zerstört und das Klubhaus zerfiel zu einer Ruine.

Nach 12-jährigen Bemühungen um die Restaurierung des Klubhauses begannen 2007 erste Baumaßnahmen. Nach einer fast einjähriger Bauzeit eröffnete das lang zurückersehnte Klubhaus Thale in der Silvesternacht 2007 endlich wieder seine Türen.

Quellen: Stadtarchiv, Thale-Kurier, Quedlinburger Harz Bote