Kloster Wendhusen

Wendhusenstraße 7
06502 Thale

Tel. (03947) 778563

Öffnungszeiten Klostermuseum:
Mi. – So.  14:00 – 17:00 Uhr

Traditionelles Bogenschießen:
jeden Samstag ab 14:00 Uhr

Geschichte und Baugeschichte des Klosters Wendhusen

Das als Kloster Wendhusen bekannte Gebäude wurde 825 durch Angehörige der altsächsischen Adelssippe der "Hessi" als Kanonissenstift gegründet. Erste Äbtissin war Bilihilt, Tochter der Gisla. Mit dieser und dem Stift eng verbunden war die Klausnerin Liutbirg, die sich 840 im später sogenannten Volkmarskeller (Michaelstein) bei Elbingerode einschließen ließ.  Um 900 erfolgte die Reliquientranslation der Pusinna von Herford aus nach Wendhusen. Die Stiftskirche wurde fortan nach ihr St. Pusinna und nach der Gottesmutter St. Maria benannt. Später kam dann noch das Patrozinium des heiligen Nikolaus hinzu.

Nach 936 war Wendhusen mit dem durch Otto I. neu gegründeten  Kanonissenstift Quedlinburg eng verbunden und teilte fortan mit diesem seine Geschicke. Aus dem Quedlinburger Stiftskapitel heraus wurden im Hoch- und Spätmittelalter die  Pröpstinnen für das Kanonissenstift Wendhusen gewählt.

1377 wurde das Stift Wendhusen durch Bischof Albrecht III. von Halberstadt  und Graf Busso  I. von Regenstein erneuert und verbessert, sowie die Augustinerregel eingeführt. 1540 erfolgte die endgültige Säkularisation des Stiftes, die Güter wurden von Graf Ulrich XII. von Regenstein in Besitz genommen. Bereits 1528 ist das Klostergut Lehnsbesitz von Heinrich von Weddelsdorf, 1546 dann von Kunz von Watzdorf. Beide Adelsgeschlechter waren Lehnsträger der Grafen von Regenstein. 1563 wird Lorenz von Steuben Alleinbesitzer des "Rittergutes" Wendhusen/Thale, weil der Graf von Regenstein seine Schulden bei ihm nicht begleichen konnte.

1723 verkaufte die Familie von Steuben das "adlige Rittergut" Wendhusen an den preußischen Commissionsrat Franz Friedrich Hartwig, der 1771 in den Adelsstand erhoben wurde und im Jahr 1800 diesen Besitz an den Magdeburger Domherren Ludwig Clamor von dem Bussche verkaufte. Die von dem Bussche-Streithorst blieben bis 1945 Eigentümer des Rittergutes Thale/Wendhusen. In der DDR wurde das Rittergut Wendhusen mit seinem Landwirtschaftsbetrieb von der LPG genutzt, bevor die Baulichkeiten zwischen 1991 und 1995 grundsaniert wurden.

 

Baugeschichte

Vom Westteil der Stiftskirche sind Umfassungsmauern des 9. Jahrhunderts bis zu einer Höhe von fünf Metern erhalten. Um 1000 erfolgten aufwendige Umbauten, von denen noch Arkaden der Westempore und eine Säule mit seltenem Pilzkapitell vorhanden sind. Um 1150 wurde ein Kirchturm als Querriegel mit Doppelturmaufsatz neu westlich vor die Stiftskirche gebaut. Dessen Erdgeschoss und erstes Obergeschoss sind mit starken Gurtbögen und flachen Kreuzgewölben  ausgeführt. Mit dieser Bauphase erfolgten Einwölbungen der Stiftskirche und Veränderungen an der Kanonissenempore, die ebenfalls noch teilweise erhalten sind.

Nach einem Brand zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde der ehemalige Kirchturm durch Lorenz von Steuben umgebaut und profanisiert, gleichzeitig erfolgte der Bau eines Herrenhauses unmittelbar westlich unter Einbeziehung von Bauresten der ehemaligen Stiftskirche. Um 1786 wurde das heute noch vorhandene Herrenhaus im klassizistischen Stil erbaut. Aus dieser Zeit sind noch zahlreiche Ausstattungsdetails vorhanden.

Die verschiedenen Besitzer haben alle ihre Spuren an den Baulichkeiten hinterlassen, sodass heute Stilelemente von der Karolingerzeit über die Romanik, Renaissance, Barock bis Klassizismus besichtigt werden können.