Sage vom »Weißen Hirsch«

Einst ruhten sich am Waldesrand in der Umgebung des Ortes zwei Venezianer von ihrer Schatzsuche aus. Da ertönten Hörnerklang und Hundegebell. Ein Ritter von der Treseburg war auf einer seiner wilden Jagden. Plötzlich brach aus dem Dickicht ein stattlicher, völlig weißer Hirsch hervor, der auf der Flucht vor seinen Verfolgern vor dem Abgrund stockte.

Nur kurze Zeit konnte er verharren; der Ruf der Jagdhörner kam immer näher. So blieb dem Tier nur die Flucht steil bergab ins Tal der Luppbode. Vom Anblick des stolzen Tieres angetan, folgten die Venezianer dem seltsam farblosen Hirsch so schnell sie konnten. Doch im oberen Tiefenbachtal war er plötzlich verschwunden.

An jenem Ort, an dem ihn der Boden verschluckte, wurden später zahlreiche Erzadern gefunden, die viele Jahre den Rohstoff für die Eisenhütten in Thale und Altenbrak lieferten. Der Sage nach hat man den weißen Hirsch, der ein verwunschener Jäger gewesen sein soll, an jener Stelle noch viele Jahre danach am Johannestag (24. Juni) gesehen.

Treseburg, der Ort am linken Ufer der Bode, der Mündung der Luppbode gegenüber gelegen, führt seinen Namen nach der Burg, die ihn nordwärts überragt. Von der Burg selbst ist kaum eine sichere Nachricht überliefert.

965 wurde mit dem Bau der Treseburg begonnen und man nimmt an, dass sie die Treseburg ist, welche in den Kämpfen Heinrichs IV. mit den Sachsen (um 1080) geschichtlich erwähnt wird. 1525 wurde die Burg während der Bauernkriege zerstört. Burgplatz, Wälle und Graben sowie einige Mauerreste sind unter der Grasnarbe noch heute zu erkennen.

Der Ort Treseburg entstand 1777 in Verbindung mit dem alten Eisen- und Kupferbergbau und der Verhüttung der Erze. Mit den Steinen der Burg wurden die ersten Häuser erbaut. 1458 wurde das erste Mal eine Eisenhütte bezeugt, ein Kupferbergwerk war 1530 im Gange. Somit waren Berg- und Hüttenarbeiter die Gründer und ersten Bewohner der Ansiedlung. 1788 bestand der Ort bereits aus 15 Häusern, 3 Schmieden und 1 Pulvermühle. 1803 hatte Treseburg 122 Einwohner, 1910 waren es 175 und 1939 lebten 250 Menschen in dem schönen Ort an der Bode. 1953 zählte Treseburg aber nur noch 241 Einwohner und bis heute hat sich diese Zahl noch einmal um über die Hälfte verringert; nur noch knapp 100 Menschen nennen Treseburg heute ihren Heimatort.

1777 bildeten Altenbrak und Treseburg zunächst eine Gemeinde, bis durch eine Verordnung des Herzogs Wilhelm vom 28.01.1853 Treseburg eine selbständige Kommune wurde.

Vor mehr als 150 Jahren begann mit der Errichtung von Herbergen und Gaststätten die stetige Entwicklung zum Fremdenverkehrsort. Bis zum Jahr 1850 war Treseburg nur auf schmalen Fahr- bzw. Fußwegen zu erreichen. Zwischen Bereits 1850 und 1860 begann die verkehrsmäßige Erschließung mit dem Bau der Fahrtstrecke von Blankenburg über Treseburg nach Allrode. 1890 wurde eine neue Straße zwischen Treseburg und Altenbrak gebaut, einschließlich der beiden Bodebrücken. Treseburg war von nun an ein Knotenpunkt, den der Verkehr von Nord nach Süd (Blankenburg - Allrode - Kyffhäuser) als auch von West nach Ost (Oberharz – Thale – Rosstrappe) berührte. So wundert es nicht, dass auf allen älteren Harzkarten nur der Ort Treseburg zu finden ist. Mit der so hergestellten Verkehrsanbindung nahm auch der Fremdenverkehr ständig zu. Um 1900 war Treseburg einer der beliebtesten Erholungsorte im Harz.

Zu erwähnen ist auch noch, dass 1885 Treseburg die erste Wasserleitung erhielt. Wegen starker Zunahme des Fremdenverkehrs musste dann 1910-12 eine weitere Leitung gelegt werden. 1905 erhielt Treseburg ein eigenes Lichtwerk, früher als alle Nachbarorte. 1930 wurde dann eine Ortskanalisation mit Kläranlage gebaut.

Nach 1900 gab es 9 Hotels und Pensionen in Treseburg. Bereits um 1922 stieg die Anzahl der Hotels und Pensionen auf 22. Der Tourismus war in Treseburg nicht mehr aufzuhalten.

Im Jahr 2002 wurde Treseburg das Prädikat Luftkurort verliehen. Dem gesundheitsbewussten Kurgast stehen 12 Terrainkurwege mit unterschiedlichen Belastungsgraden und Wegelängen zum gezielten Ausdauertraining zur Verfügung.

In der Heimatstube können Sie die Geschichte und Entwicklung von Treseburg in aller Ausführlichkeit nachlesen. Und wer auch sonst gern in der Vergangenheit stöbert, dem wird der Besuch des »Stöberstübchens« empfohlen.